Loft Wien

Grenzenlos glücklich

Von Offenheit, Materialreduktion und Wohnen als Prozess.

Dieser Raum! Fünf Meter hohe Decken, riesige Galeriesprossenfenster, ornamentverzierte, gusseiserne Säulen. Das Licht flutet über den Betonboden, Schattenspiele überall. „Doch wie sollten wir darin eine Küche, Wohnzimmer, Bad, Schlaf-, Arbeits- und Kinderzimmer unterbringen, ohne das Gebäude dabei vollständig zu entloften?“, erzählt der Architekt Jonathan Lutter vom Büro KLK aus Wien vom Entstehungsprozess. Das Team fand eine Antwort darauf bei einem der ganz großen Baumeister. „Wir ließen uns von Mies van der Rohe und seinem Konzept des ,fließenden Raumes‘ inspirieren.“ In der Folge wurden ausschließlich eine Bodenplatte, eine raumhohe Wandscheibe und eine halbhohe Scheibe in das Loft eingezogen. „Alles andere hätte das Flair des Bestandes zerstört“, resümiert der Architekt.

Anzahl Bewohner4 Personen
Wohnfläche150 m²
StandortWien
Fertigstellung04/2016
PlanungsbüroBÜRO KLK
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FotografieDavid Schreyer
Offenes Wohnen fordert eine Materialreduktion: Die einheitliche Werkstoffwahl verbindet optisch alle Bereiche.

Team Büro KLK

Wer nun hereinkommt, steht mit einem Schritt in der Küche: ein offener Bereich mit Block aus Tischlerholz und MDF-Platten, die Wände weiß gefliest. Den Kopf leicht nach links gedreht und schon blickt man ins Schlafzimmer, ins Bad, in den Garten. Kopf in den Nacken und man schaut hoch, wo sich auf der Empore ein Stahl-Glas-Kubus mit Kinderzimmer befindet. „Hier oben wäre auch noch Platz für einen zweiten Kubus“, bemerkt Jonathan Lutter. „Das Zuhause kann sozusagen mitwachsen.“ Wohnen als Prozess – so kann man auch die Inneneinrichtung des Lofts beschreiben. Denn wenig ist hier starr, vieles in Bewegung. Die Bilderwand hinter dem Sofa wächst stetig und planlos. Die Sessel daneben stehen mal drinnen, mal draußen. Die mintgrünen Vorhänge, die in schwarzen Stahlschienen kreuz und quer durch die Ebene laufen, können die Zimmer optisch voneinander abtrennen – stehen allerdings meistens offen. Denn die Durchsichtigkeit ist es, die die Bewohner so an ihrem Zuhause schätzen. Diese Unbegrenztheit. Das Schwebegefühl. Fast komisch ist es da, sagen sie, wenn man auf die Toilette geht und mal wieder in einem vollständig abgeschlossenen Raum ist.

Impressionen