Logierhaus M

"Bei einem Farbkonzept kann man sich sogar von regionalen Speisen inspirieren lassen. Beispiel: Krabbenbrötchen-Rosé ."

Deeken-Henke Architekten
26427 Esens
Deutschland

Galerie

Blau-weißes Friesenporzellan, maritime Streifenmuster, dunkelbraune Katenmöbel – all das findet man hier nicht. „Viel zu platt“, meint Innenarchitektin und Gastgeberin Melanie Deeken- Henke. Wer ihr „Logierhaus M“ in Esens, Ostfriesland, betritt, fühlt sich trotzdem gleich angekommen im Norden. Dafür sorgen auch die überall lose verstreuten Zitate wie die Schlafkoje mit handbemalten Fischfliesen, der antike Holzofen mit Kupferkessel oder, noch subtiler, der Muschelkalk in den Steinfugen einer offen gelegten Wand. „Dieses Haus hat Karma“, sagt die Ostfriesin. „Als ich zum erstem Mal hereinkam, habe ich es sofort gespürt – und das wollte ich erhalten." Während des Umbaus stieg sie immer tiefer in die Geschichte des sogenannten „Kapitänshauses“ ein, das aus dem Jahr 1912 stammt, lange einen Haushaltswarenladen beherbergte und dann als Privathaus diente. Was bewahrt werden konnte, wurde beibehalten: die hochwertigen Zimmertüren und Türstöcke beispielsweise. Die elegant gedrechselte Holztreppe und die schmucken Holzfenster wurden originalgetreu nachgebaut. Seit Ende 2018 kann man im „Logierhaus M“ nun übernachten und „ein Stückchen authentisches Ostfriesland kennenlernen“, wie Melanie Deeken-Henke verspricht. Gestalterisch bedeutet das für die Interior-Expertin vor allem Reduktion: Hell sind die Räume, einfallendes Tageslicht glänzt auf den weiß lackierten Dielenböden. Moderne schwarze Küchenmöbel mit Eisenfüßen stehen an den Wänden. Dazu gepolsterte Ledersessel, Stühle mit Schafsfellauflage und ausladende Betten, die schon optisch klarmachen: Hier ist ein Ort, um innezuhalten, um Tee zu trinken, der Meeresbrise zuzuhören oder um sich nach einem Spaziergang an der Nordseeküste einzukuscheln. „In Sachen Farbe habe ich mich auf gedeckte Rosatöne konzentriert“, erzählt die Innenarchitektin. „Sie holen einen runter, schaffen Intimität.“ In manchen Räumen gehen die pudrigen Töne mehr in ein Herrenzimmer-Cognac über, Grau gesellt sich dazu und manchmal poltert auch ein überraschend leuchtendes Farbelement in die stilvolle Zurückhaltung. „Zu perfekt darf ein Zuhause schließlich auch nie sein“, bemerkt Melanie Deeken-Henke lächelnd. In Friesensprache: „Wat mutt, dat mutt.“