Hansaviertel Studio

"Manchmal muss man eine Gestaltungsidee radikal durchziehen - sonst entsteht stilistischer Obstsalat."

FABIAN FREYTAG STUDIO
10115 Berlin
Deutschland

Galerie

Wenn das Wetter mild ist, sitzt Kameramann Carlo morgens mit seinem Kaffeebecher auf dem Balkon und füttert die wilden Kaninchen auf dem Rasen davor. Bei kälteren Temperaturen bleibt er drinnen und geht mit dem Kaffee mehrere Runden spazieren. „In welcher 50-Quadratmeter- Wohnung kann man das schon?“, fragt der Berliner Innenarchitekt Fabian Freytag stolz, der den Umbau und die Gestaltung dieses Objektes betreut hat. Seine Idee stand schnell fest: Ein „White Cube“ sollte es werden, ein frei bespielbarer weißer Raum, der an ein Filmstudio erinnert. Dafür drehte er den Grundriss der Wohnung im Hansaviertel auf links, machte die sanierungsbedürftige Fünfziger-Jahre-Wohnung komplett frei von Innenwänden und ließ nur den inneren Badezimmerkern stehen. An dessen Wänden reihen sich jetzt die Funktionen auf: Eingangsbereich, Küche, Wohnzimmer, Schlafzimmer. Ein rundum laufendes Schienensystem lässt auch die Beleuchtung flexibel sein und ist ein weiterer Verweis auf ein Filmset. Es ist, wie alle funktionalen oder technischen Dinge in dieser Wohnung, schwarz, während Wände, Schränke und alles Verzierende weiß sind. „Ich habe mich entschieden, radikal zu bleiben und keine Farbe in der Einrichtung zu addieren“, erklärt Fabian Freytag. „Sonst hätte plötzlich wieder alles aufeinander Bezug genommen. Wenn man streng bleibt, dann wirken die einzelnen Dinge in einem Raum viel mehr, genau wie in einer Galerie.“ Und anstelle der Kunst tritt hier das Leben selbst: eine bunte Gruppe Freunde, die am runden Esstisch Platz nimmt, um gemeinsam zu essen. Fernsehabende auf der Couch. Sonnige Morgen, an denen das Tageslicht durch die Balkontüren, über den Linoleumboden, bis zum Bett kriecht, um den Bewohner zu wecken … Apropos: „Ich mag es nicht, wenn man im Schlafzimmer so weggesperrt ist vom Leben“, sagt der Architekt und erzählt von dem bedrückenden Mini-Schlafzimmer, das es einst in der Wohnung gab. Stattdessen ersann er eine minimalistische Bettmöbel-Lösung, die sich aus einem raumhohen Schrank auf der einen Seite und einer Holzlamellenwand auf der anderen Seite entwickelt. Hier liegt man geborgen und ist doch mittendrin, schöner könnte es sich kein Regisseur ausgedacht haben.